Dynapac hat seine neue Großfertiger-Generation XD25 110C im ersten Praxiseinsatz getestet. Die Maschine markiert den Einstieg des schwedischen Herstellers in die Stage-V-Ära bei Straßenfertigern über 25 Tonnen. Der XD25 110C ersetzt den bisherigen SD2500CS und soll mit optimierter Antriebstechnologie, höherer Einbauleistung und reduziertem Kraftstoffverbrauch gegen etablierte Konkurrenten von Vögele, BOMAG und Ammann antreten.

Stage V und neue Motorentechnologie

Im Zentrum der Neuentwicklung steht die Umstellung auf die EU Stage V Emissionsnorm. Dynapac setzt dabei auf einen 6-Zylinder-Dieselmotor mit SCR-Katalysator und Dieselpartikelfilter. Die Leistung liegt nach Herstellerangaben bei rund 190 kW, was knapp 260 PS entspricht. Das ist vergleichbar mit dem Vögele Super 1800-3i, der mit 180 kW arbeitet, aber deutlich unter den 250 kW des BOMAG BF 900-2. Für Betreiber bedeutet das: Der XD25 110C positioniert sich in der oberen Mittelklasse, nicht im absoluten High-End-Segment.

Die Stage-V-Technologie bringt nicht nur geringere Emissionswerte, sondern auch höhere Betriebskosten durch AdBlue-Verbrauch und zusätzliche Wartung. Dynapac kompensiert das nach eigenen Angaben durch einen optimierten Kraftstoffverbrauch. Im Vergleich zum Vorgängermodell soll der Dieselverbrauch um 8 bis 12 Prozent gesunken sein. Bei einer typischen Jahresleistung von 1.200 Betriebsstunden und einem Verbrauch von etwa 18 Litern pro Stunde würde das eine Ersparnis von rund 2.000 Litern jährlich bedeuten. Bei einem Dieselpreis von 1,30 Euro pro Liter entspricht das einer Kostenreduktion von 2.600 Euro pro Jahr.

Einbauleistung und Bohlenbreite

Der XD25 110C erreicht eine maximale Einbaubreite von 11 Metern mit hydraulisch ausziehbarer Bohle. Die Standardbohle arbeitet mit 3 bis 7,5 Metern, mit Ausziehbohlen sind bis zu 11 Meter möglich. Das ist Branchenstandard für diese Gewichtsklasse. Der Vögele Super 1900-3i schafft ebenfalls 11 Meter, während kleinere Modelle wie der Dynapac SD2500CS bei maximal 9 Metern liegen.

Die Einbautiefe liegt bei maximal 30 Zentimetern in einer Lage, typisch sind 8 bis 15 Zentimeter im Autobahnbau. Die theoretische Einbauleistung erreicht nach Herstellerangaben bis zu 1.100 Tonnen pro Stunde bei einer Arbeitsgeschwindigkeit von 2,5 Metern pro Minute. In der Praxis hängt das stark von der Materialanlieferung, der Schichtdicke und der Asphalttemperatur ab. Wer mit konstanter LKW-Belieferung arbeitet, kann bei optimalen Bedingungen 600 bis 800 Tonnen pro Stunde realisieren.

Hydrauliksystem und Steuerung

Dynapac hat das Hydrauliksystem überarbeitet. Die neue Generation arbeitet mit einem Load-Sensing-System, das den Öldruck nur bei tatsächlichem Bedarf aufbaut. Das reduziert die Motorlast und senkt den Kraftstoffverbrauch. Bei herkömmlichen Systemen läuft die Hydraulikpumpe permanent auf Volllast, auch wenn nur wenige Funktionen aktiv sind. Das Load-Sensing-System passt den Druck dynamisch an und spart laut Dynapac bis zu 10 Prozent Energie.

Die Maschinensteuerung erfolgt über ein 12-Zoll-Touchscreen-Display im Fahrerstand. Das System zeigt Einbaugeschwindigkeit, Materialtemperatur, Bohlenhöhe und Querneigung in Echtzeit an. Eine optionale GPS-Maschinensteuerung ermöglicht den automatischen Höhenabgleich nach digitalem Geländemodell. Für Autobahnbaustellen mit engen Toleranzen von wenigen Millimetern ist das inzwischen Standard. Wer auf GPS verzichtet, arbeitet mit Nivellierlaser oder manueller Skisteuerung.

Wettbewerbsvergleich und Positionierung

Im Markt der Großfertiger ab 25 Tonnen dominieren Joseph Vögele mit der Super-Serie, BOMAG mit den BF-Modellen und Ammann mit den AFT-Maschinen. Dynapac war bisher eher im mittleren Segment mit dem SD2500CS vertreten, der bei rund 22 Tonnen Einsatzgewicht liegt. Der XD25 110C steigt mit 25 bis 27 Tonnen in die nächste Liga auf.

Der Preis liegt nach Branchenangaben bei rund 320.000 bis 380.000 Euro, abhängig von Ausstattung und Bohlenbreite. Ein vergleichbarer Vögele Super 1800-3i kostet etwa 360.000 bis 420.000 Euro. Dynapac positioniert sich also preislich leicht darunter, was für Betreiber mit kleineren Fuhrparks attraktiv sein kann. Die Amortisationszeit hängt von der Auslastung ab. Bei 1.200 Betriebsstunden pro Jahr und einer Einbauleistung von 600 Tonnen pro Stunde sind das 720.000 Tonnen Asphalt. Bei einem Verrechnungssatz von 60 Cent pro Tonne erwirtschaftet die Maschine 432.000 Euro Umsatz jährlich, abzüglich Betriebskosten von etwa 180.000 Euro für Diesel, Wartung und Fahrer.

Praxistest und erste Einschätzung

Der erste Praxiseinsatz fand nach Herstellerangaben auf einer Autobahnbaustelle statt, ohne genaue Ortsangabe. Getestet wurde die Maschine mit 7,5-Meter-Bohle bei einer Einbaugeschwindigkeit von 1,8 Metern pro Minute und einer Schichtdicke von 10 Zentimetern. Das entspricht einer Einbauleistung von etwa 450 Tonnen pro Stunde, typisch für Deckschichten im Autobahnbau.

Über Standzeiten und Wartungsintervalle liegen noch keine Langzeiterfahrungen vor. Dynapac gibt für den SCR-Katalysator und den Dieselpartikelfilter ein Wartungsintervall von 500 Betriebsstunden an, vergleichbar mit anderen Stage-V-Maschinen. Der AdBlue-Verbrauch liegt bei etwa 5 Prozent des Dieselverbrauchs, also rund 1 Liter pro Stunde. Bei 1.200 Betriebsstunden sind das 1.200 Liter AdBlue jährlich, Kostenaufwand etwa 600 Euro.

Elektrifizierung noch kein Thema

Anders als bei Baggern und Radlader gibt es bei Großfertigern bisher keine serienreifen Elektroantriebe. Der Energiebedarf von 150 bis 200 kW über 8 bis 10 Stunden Einsatzzeit erfordert Batteriekapazitäten von 1.500 bis 2.000 kWh. Das entspricht etwa dem Zehnfachen eines elektrischen 20-Tonnen-Baggers. Die Ladeinfrastruktur ist auf Autobahnbaustellen aktuell nicht vorhanden, und die Batteriekosten würden den Maschinenpreis verdoppeln.

Dynapac äußert sich in der Produktankündigung nicht zu Elektrifizierungsplänen. Andere Hersteller wie BOMAG und Vögele testen elektrisch beheizte Bohlen und Hybridantriebe für den Fahrantrieb, bieten aber noch keine vollelektrischen Maschinen an. Für die nächsten 5 Jahre bleibt Stage V der Standard im Großfertiger-Segment. Mehr zu den Entwicklungen in der Elektrifizierung der Baustelle finden Sie in unserem Themenportal.

Verfügbarkeit und Ausblick

Die Serienproduktion des XD25 110C soll im zweiten Quartal 2025 anlaufen. Erste Auslieferungen sind für den Sommer geplant. Dynapac konzentriert sich dabei auf den europäischen Markt, wo Straßenbau-Unternehmen zunehmend auf Stage-V-konforme Maschinen umstellen müssen. Ältere Maschinen können in vielen EU-Ländern ab 2026 nicht mehr neu zugelassen werden, was die Nachfrage nach Stage-V-Fertigern antreibt.

Ob der XD25 110C gegen die etablierte Konkurrenz von Vögele und BOMAG bestehen kann, wird sich in den nächsten 12 bis 24 Monaten zeigen. Entscheidend sind Standzeiten, Servicekosten und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen. Wer jetzt investiert, sollte Referenzprojekte und Langzeiterfahrungen abwarten. Für Betreiber, die bereits Dynapac-Walzen oder -Fertiger im Fuhrpark haben, kann die Maschine durch Synergien bei Service und Ersatzteilen interessant sein. Weitere Informationen zu aktuellen Straßenfertiger-Lieferungen finden Sie in unserem Artikel zu Dynapac SD2500CS und F1250CS bei Dallmann.