Joseph Vögele aus Ludwigshafen erweitert sein Portfolio um drei Automatisierungslösungen für Straßenfertiger. Grade Assist, AutoTrac und Smart Pave sollen Maschinenbediener entlasten, die Effizienz steigern und Material einsparen. Die Entwicklung zeigt einen klaren Trend: Digitalisierung und Automatisierung werden im Straßenbau zum Standard – und zwar aus handfesten betriebswirtschaftlichen Gründen.

Grade Assist: Automatische Nivellierung entlastet den Bediener

Grade Assist übernimmt die automatische Höhensteuerung der Einbaubohle. Das System gleicht Unebenheiten der Bezugsebene selbstständig aus und hält die gewünschte Sollhöhe ein. Der Bediener muss nicht mehr permanent manuell nachsteuern.

Das entlastet vor allem auf langen Strecken. Bei einer Autobahnbaustelle mit 8 Kilometern Länge spart das System bis zu 15 Prozent der Bedienerarbeitszeit ein. Der Grund: Weniger Korrekturen bedeuten weniger Stopps, weniger Materialverlust durch Übereinbau, weniger Nacharbeit.

Für Unternehmen mit Personalmangel ist das ein echter Hebel. Ein erfahrener Bediener kann sich auf die Qualitätskontrolle konzentrieren, statt ständig die Nivellierung zu justieren. Grade Assist arbeitet mit den vorhandenen Sensoren des Straßenfertigers – es ist kein zusätzliches externes System erforderlich.

AutoTrac: Präzise Spurführung ohne permanente Lenkarbeit

AutoTrac steuert die Fahrspur des Straßenfertigers automatisch. Das System nutzt GPS-Maschinensteuerung und hält die Maschine auf der vorgegebenen Linie. Abweichungen werden auf unter 2 Zentimeter reduziert – über die gesamte Einbaulänge hinweg.

Das bringt zwei Vorteile: Erstens weniger Materialverschwendung durch präziseren Einbau. Bei einer 6 Meter breiten Spur und 500 Meter Länge spart AutoTrac bis zu 3 Tonnen Asphalt ein, wenn die Abweichung von vorher 5 auf 2 Zentimeter sinkt. Das sind bei einem Asphaltpreis von 90 Euro pro Tonne rund 270 Euro pro Kilometer.

Zweitens weniger Ermüdung des Bedieners. Wer 8 Stunden am Stück eine präzise Spur halten muss, ist am Ende des Tages erschöpft. AutoTrac übernimmt diese Daueraufgabe und lässt dem Bediener mehr Kapazität für die Überwachung der Einbauqualität.

Smart Pave: Datengestützte Prozessoptimierung in Echtzeit

Smart Pave verbindet Einbauparameter mit Echtzeitdaten und passt die Maschinensteuerung automatisch an. Das System analysiert Materialtemperatur, Vorschubgeschwindigkeit, Stampferdruck und Vibrationsfrequenz – und justiert diese Parameter selbstständig, um eine gleichmäßige Verdichtung zu erreichen.

Das Ergebnis: Eine homogenere Asphaltdecke mit weniger Nachverdichtung durch Verdichtungswalzen. Bei einem Autobahnprojekt in Baden-Württemberg reduzierte Smart Pave die Nachverdichtung um 12 Prozent – das spart Betriebsstunden der Walzen und senkt die Gesamtkosten der Baustelle.

Zusätzlich dokumentiert Smart Pave alle Parameter automatisch. Das erleichtert die Qualitätssicherung und erfüllt die zunehmenden Anforderungen an die digitale Baustellendokumentation. Jeder Meter Asphalt wird protokolliert – mit Zeitstempel, Koordinaten und allen relevanten Maschinendaten.

Automatisierung als Antwort auf den Fachkräftemangel

Die drei Systeme sind keine isolierten Features, sondern Teil einer Gesamtstrategie. Die Baubranche kämpft mit Personalmangel – laut Bauindustrieverband fehlen in Deutschland bis 2030 rund 400.000 Fachkräfte. Automatisierung kann diesen Mangel nicht vollständig kompensieren, aber sie kann bestehende Teams entlasten und produktiver machen.

Ein Beispiel: Ein Straßenfertigertrupp besteht typischerweise aus einem Bediener, einem Einweiser und zwei bis drei Helfern. Mit Grade Assist, AutoTrac und Smart Pave kann der Bediener mehr Aufgaben übernehmen, weil die Systeme Routinearbeiten automatisieren. Das bedeutet nicht zwingend weniger Personal, aber eine effizientere Nutzung der vorhandenen Arbeitskraft.

Für Bauunternehmen rechnet sich das schnell. Wer 200 Betriebsstunden pro Jahr spart, reduziert die Personalkosten um rund 12.000 Euro – bei einem durchschnittlichen Stundensatz von 60 Euro inklusive Lohnnebenkosten. Dazu kommen Einsparungen beim Material und geringere Nacharbeitskosten.

Integration in die Wirtgen Group zahlt sich aus

Vögele gehört seit 2007 zur Wirtgen Group, die wiederum seit 2017 Teil von John Deere ist. Das bringt technologische Synergien: Die GPS-Steuerung von AutoTrac basiert auf Deere-Technologie, die in der Landtechnik seit Jahren erprobt ist. Smart Pave nutzt Datenanalyse-Algorithmen, die ursprünglich für die Optimierung von Erntemaschinen entwickelt wurden.

Diese Querverbindungen beschleunigen die Entwicklung. Während kleinere Hersteller Jahre brauchen, um ein GPS-System zur Serienreife zu bringen, kann Vögele auf bestehende Hard- und Software zurückgreifen. Das senkt die Entwicklungskosten und macht die Systeme schneller verfügbar.

Ausblick: Autonome Baumaschinen im Straßenbau

Grade Assist, AutoTrac und Smart Pave sind Zwischenschritte auf dem Weg zu vollautonomen Straßenfertigern. Aktuell assistieren sie dem Bediener, ersetzen ihn aber nicht. Die nächste Stufe wären teilautonome Systeme, die bestimmte Abschnitte ohne menschlichen Eingriff einbauen können.

Im Tagebau sind autonome Baumaschinen bereits Realität – Caterpillar und Komatsu betreiben fahrerlose Muldenkipper in Australien und Chile. Der Straßenbau ist komplexer: Wechselnde Bedingungen, dichter Verkehr, enge Baustellen. Aber die Grundlagen werden gerade gelegt.

Vögele setzt mit den drei Automatisierungslösungen auf einen schrittweisen Ansatz. Die Systeme sind nachrüstbar, arbeiten mit bestehenden Maschinen zusammen und lassen sich modular erweitern. Das senkt die Einstiegshürde für Bauunternehmen und macht Automatisierung auch für kleinere Betriebe zugänglich.

Weitere Informationen zu den Automatisierungssystemen finden Sie auf der Website von Joseph Vögele.