Das Unternehmen Arjes aus Leimbach hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Transformation vollzogen. Vom reinen Nischenhersteller für Zweiwellenzerkleinerer entwickelte sich der Betrieb zu einem gefragten Problemlöser in der Recycling-Branche. Die Strategie dahinter: mobile, kompakte Zerkleinerungsmaschinen, die dort arbeiten, wo stationäre Brechanlagen an ihre Grenzen stoßen.
Produktentwicklung: Kompakt und mobil schlägt stationär
Arjes hat früh auf Mobilität gesetzt. Die Zweiwellenzerkleinerer des Herstellers sind auf Raupenfahrwerken montiert und wiegen zwischen 12 und 40 Tonnen. Sie zerkleinern Bauabfälle, Altholz, Wurzelstöcke und Grünschnitt direkt auf der Baustelle. Das spart Transportkosten und Zwischenlager.
Die Maschinen arbeiten mit zwei gegenläufigen Wellen, die das Material greifen und zerreißen. Anders als bei einem Backenbrecher oder Prallbrecher entsteht dabei weniger Feinstaub. Für Innenstadtbaustellen ein entscheidender Vorteil. Die Durchsatzleistung liegt je nach Modell zwischen 80 und 350 Tonnen pro Stunde. Das reicht für mittelgroße Abbruchprojekte und Recyclinghöfe.
Marktpositionierung: Lücke zwischen Minibagger und Großanlage
Arjes bedient eine Marktlücke. Für kleinere Bauunternehmen sind stationäre Brechanlagen von Kleemann oder Sandvik oft überdimensioniert. Ein Hydraulikhammer am Hydraulikbagger bricht zwar Beton auf, zerkleinert ihn aber nicht sortierfertig. Hier setzen die mobilen Zerkleinerer an.
Die Zielgruppe: Abbruchunternehmen mit 5 bis 20 Mitarbeitern, Recyclinghöfe, Kommunalbetriebe und Landschaftsbauer. Sie schätzen die schnelle Einsatzbereitschaft. Eine Arjes-Maschine ist in 15 Minuten betriebsbereit. Zum Vergleich: Eine stationäre Anlage braucht oft einen halben Tag für Aufbau und Einrichtung.
Nachhaltigkeit: Kreislaufwirtschaft als Geschäftsmodell
Die Kreislaufwirtschaft treibt die Nachfrage. Laut Kreislaufwirtschaftsgesetz müssen Bauabfälle seit 2020 zu mindestens 70 Prozent recycelt werden. Das erfordert Sortierung und Zerkleinerung direkt auf der Baustelle. Arjes profitiert von dieser Entwicklung.
Die Maschinen trennen Material nach Korngröße. Ein integriertes Sieb sortiert zerkleinerten Beton in Fraktionen 0-32 mm und 32-80 mm. Die feine Fraktion geht als Füllmaterial zurück in den Straßenbau. Die grobe Fraktion wandert in Betonrecyclinganlagen. Metall wird magnetisch abgeschieden. Die Recyclingquote steigt so auf über 85 Prozent.
Elektrifizierung: Erste Schritte Richtung emissionsfreie Baustelle
Arjes arbeitet an elektrischen Antrieben. Bisher laufen alle Maschinen mit Dieselmotoren zwischen 200 und 500 PS. Für Innenstadtbaustellen ein Problem. Emissionsarme Zonen verlangen nach alternativen Antrieben. Hier setzt Arjes auf Elektrifizierung.
Ein Prototyp mit Elektromotor und 150-kWh-Batterie läuft seit 2023 im Feldtest. Die Laufzeit beträgt rund 4 Stunden bei voller Last. Für einen Arbeitstag reicht das nicht. Arjes testet deshalb Hybridkonzepte: Dieselgenerator für Dauerbetrieb, Batterie für lärmempfindliche Phasen. Ähnlich wie Wacker Neuson bei seinen Elektro-Minibaggern.
Vertriebsstrategie: Direktvertrieb statt Händlernetz
Arjes setzt auf Direktvertrieb. Kein Händlernetz, keine Zwischenhändler. Kunden kaufen direkt beim Hersteller oder bei regionalen Vertriebspartnern. Das senkt die Kosten und ermöglicht schnellen Service. Ein Techniker ist innerhalb von 24 Stunden vor Ort. Für Bauunternehmer zählt das.
Die Preise liegen zwischen 180.000 und 450.000 Euro je nach Modell. Das ist günstiger als eine stationäre Brechanlage, aber teurer als ein gebrauchter Abbruchbagger mit Sortiergreifer. Die Amortisation liegt bei 3 bis 5 Jahren, abhängig von der Auslastung.
Service und Ersatzteile: Eigene Werkstatt als Wettbewerbsvorteil
Arjes betreibt eine eigene Werkstatt mit 12 Servicetechnikern. Verschleißteile wie Zerkleinerungswellen und Siebe sind ab Lager lieferbar. Die Lieferzeit beträgt 48 Stunden. Zum Vergleich: Bei internationalen Herstellern dauert es oft 2 Wochen.
Die Maschinen sind auf Wartungsfreundlichkeit ausgelegt. Der Wechsel einer Zerkleinerungswelle dauert 4 Stunden. Dafür braucht es keinen Spezialisten. Ein erfahrener Baggerfahrer schafft das mit Bordwerkzeug. Das senkt die Standzeiten und erhöht die Verfügbarkeit.
Ausblick: Automatisierung und Telematik als nächste Schritte
Arjes investiert in Automatisierung. Eine neue Generation mit Telematik und automatischer Lastanpassung ist in Entwicklung. Die Maschine erkennt die Materialdichte und passt Drehzahl und Vorschub automatisch an. Das spart Diesel und schont die Verschleißteile.
Auch ferngesteuerte Modelle sind geplant. Ähnlich wie bei Liebherr oder Caterpillar soll der Bediener die Maschine aus sicherer Entfernung steuern können. Für Abbruchbaustellen mit Einsturzgefahr ein Sicherheitsgewinn.
Die Transformation vom Nischenhersteller zum Problemlöser ist gelungen. Arjes hat eine klare Positionierung gefunden: mobile Zerkleinerungstechnik für mittelgroße Baustellen. Der nächste Schritt ist die Elektrifizierung. Wer hier schnell liefert, sichert sich Marktanteile in den wachsenden emissionsarmen Zonen deutscher Innenstädte.





